|
 |
 |
 |
 |
Steinbildhauer-Symposium
Zuschlagen mit Bedacht
Mensch trifft auf Stein. An der Quaianlage in Steckborn klingt das hell und rein. Fünf Steinbildhauer arbeiten dort während zweier Wochen unter freiem Himmel in althergebrachter Weise mit Hammer und Meissel.
Zum dritten Mal findet in Steckborn das Steinbildhauer-Symposium statt. Der Quai wird zur Frei-luft-Werkstätte und zum Treffpunkt. Eine Skulptur nimmt, wie banal, Raum ein. Eine schlichte Tatsache mit weitreichenden Konsequenzen. Die Skulptur greift in den Raum hinein, gestaltet ihn. Im Gespräch mit dem Steinbildhauer Urs Traber wird klar, dass der Mann über sein Werk hinausdenkt. Indem er Räume gestaltet, schafft er Orte, die von Menschen begangen werden. Als Steinbildhauer übt Traber ein uraltes Handwerk aus. Er stellt sich bewusst in die Traditionen, die mit seinem Beruf verbunden sind. Beiläufig weist er auf Techniken hin, die schon von den Ägyptern angewendet wurden. Wenn er als Restaurator arbeitet, befasst er sich mit Arbeitsweisen vergangener Jahrhunderte. Tradition ist bei den Trabers aber auch Familientradition. In der fünften Generation führt Urs den Betrieb in Steckborn, und auch sein Neffe Martin hat diesen Beruf bei ihm gelernt. Traber schafft nicht nur Skulpturen, er schafft Orte, am liebsten solche, wo Menschen sich begegnen können. Solch ein Ort soll auch das Steinbildhauer-Symposium Steckborn sein, das dieser Tage zum dritten Mal stattfindet. Fünf Bildhauer haben sich am Quai installiert. Passanten und Anwohner können während zweier Wochen mitverfolgen, wie aus rohen Steinblöcken Skulpturen werden, sind eingeladen, zu verweilen und Kontakt mit den Künstlern aufzunehmen. Dass da etwas im Tun ist, ist schon aus Distanz hörbar. Helle Töne erklingen in einem gleichmässigem Rhythmus, werden übertönt von Maschinengedröhn. Fünf grosse Steinblöcke sind in einer Reihe aufgestellt, fünf Menschen – vier Männer und eine Frau – haben sich an ihnen zu schaffen gemacht mit Hammer und Meissel, einer bedient sich moderneren Gerätes, sprengt mit einem Spitzhammer Stücke weg. Eigentlich sollen die Bildhauer ihre Blöcke ohne Maschinen bearbeiten. Eine Selbstbeschränkung, die nicht nur aus Rücksicht auf die Anwohner getroffen wurde. Die gemächliche Arbeitsweise ist ein Luxus, den sich die Bildhauer leisten wollen. «Stress gibt es das ganze Jahr über. In diesem Tempo arbeiten können die wenigsten. Nur schon wegen der Stundenlöhne», erläutert Traber. «Wenn man mit Stein arbeitet, dann dauert das. Ein Maler kann ein Bild an einem Abend malen, aber eine Skulptur braucht viel Zeit.» Auch mit Einsatz von Maschinen: Der Schaffensprozess macht die Bildhauerei in unserer schnellen und kurzlebigen Zeit zu einem Anachronismus. Doch Steinbildhauerei ist auch etwas, das es «immer schon» gegeben hat. Darin liegt ein Teil ihrer Faszination. Viel Material wegnehmen können die fünf Bildhauer also nicht in den zwei Wochen, die ihnen zur Verfügung stehen. Ein bis zwei Monate brauchen solche Arbeiten für gewöhnlich. Doch Rolf Gsell, von Haus aus Agronom und diesjähriger Gast des Symposiums, hat sich viel vorgenommen. Deshalb hat ihm Traber zugestanden, den Anfang mit dem Spitzhammer zu machen. Nein, dass sie die einzige Frau in der Gruppe sei, sei nicht repräsentativ für das Geschlechterverhältnis in der Steinbildhauer-Zunft, bescheidet Pierette Gnädinger. Sie war schon bei den beiden ersten Symposien 2005 und 2007 dabei. Und ist, wie die meisten Teilnehmenden, einmal bei Traber in die Lehre gegangen, hat später aber auch Kunst studiert. Wie sieht sie das Verhältnis von Kunst und Handwerk? «Pures Handwerk», meint sie. «Das sieht vielleicht frei und wild aus, was wir hier tun. Aber wir können auf den Zentimeter genau arbeiten.» Handwerkliches Können ist also eine Basis, ohne die es nicht geht. Darüber hinaus brauche es neben einer guten Portion Geduld die Fähigkeit, sehen zu wollen. Nach jedem Schlag heisst es, festzustellen, wo man steht, und auf die Veränderung am Stein zu reagieren. «Es geht darum, nicht an Vorgefasstem festzuhalten. Ich zumindest empfinde das so.»
von Susanne Huber |
|

|
| |
|