express - Das Ausgehmagazin  
Das Ausgeh- und Freizeitmagazin der «Schaffhauser Nachrichten» 07.09.2010

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Bartest

Who is Who in Wintis Barszene


«Schaffhausen hat keine coolen Bars, die Lokale sind langweilig», heisst es immer wieder. Viele Schaffhauser gehen nach Winterthur oder Zürich in den Ausgang, weil dort die Auswahl grösser sei. Der «express» wollte es genauer wissen und hat die Winterthurer Bars deshalb einem Tests unterzogen. Sechs Schaffhauser waren am Donnerstagabend in Winti als strenge Wertungs­richter unterwegs und haben Noten von 1 bis 6 vergeben. Unser Team hat verschiedene Interessen. Bäscht spielt in einer Schaffhauser Ska-Band und sucht ausgeflippte Lokale. Christan ist Gärtner und steht auf Dekoration. Sebi ist in einer Verbindung und jagt die optimale Schaumkrone beim Bier. Er steht auf Lokale mit Niveau. Mit dabei sind auch zwei Damen. Linda mag klassische Bars und Clubs mit Flair, Sophie ist relativ offen, kann aber Macho-Lokale nicht leiden.

Paddy O’ Brien
Im «Paddy O’ Brien» scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Als wir eintreten, ist noch alles im Halloween-Stil dekoriert, obwohl dieses Fest schon seit einer Woche vorbei ist. Hexen, Gespenster und Spinnennetze hängen von der Decke. «Angenehm wie in Omas Wohnzimmer oder wie in unserem Bandraum», freut sich Bäscht. Er bestellt sich ein Bier und stösst mit Christian an. Linda zündet sich derweil genüsslich eine Zigarette an. Sie freut sich, dass die vielen Rauchverbotsschilder im Pub offenbar nur Dekoration sind, denn im ganzen Lokal wird gequalmt, als gelte es, eine Dampfmaschine zu imitieren. Die Barkeeper sprechen nur Englisch, das macht das Pub stilecht und fordert zugleich die Sprachkenntnisse der Besucher heraus. Wir gehen unsere Kriterienliste durch. Sebi kennt keine Gnade: «Personal? Gestresst, glatzköpfig, aber freundlich. Gäste? Sehr studentisch, aber der Frauenanteil ist mager. Musik? Ist mir ein wenig zu leise. Schaumkrone? Ist o. k., aber nicht umwerfend.» Wir erfreuen uns noch ein wenig an der grossen Bierauswahl, dem Whiskey mit Pflaumengeschmack und dem Fussballspiel, das auf grossen Bildschirmen über­tragen wird. Doch dann brechen wir auf. Um in Ausgangsstimmung zu kommen, fehlt eindeutig ein DJ in diesem Pub. Die Iren sind wohl eher die genüsslichen Barstuhlbesucher denn Freaks der Tanzfläche.

Widder
Mitten in der Winterthurer Altstadt liegt der «Widder». Und der hat unser Interesse geweckt. Das Maskottchen der Bar sieht genauso aus wie unser Schaffhauser Wappenbock. Doch als wir eintreten, schluckt Christian erst einmal trocken. Der Raum ist kein bisschen dekoriert, keine einzige Pflanze. Christian liegt das Wort «Skandal» auf den Lippen. Laute Punkmusik knallt uns um die Ohren, und die Gäste scheinen durch und durch der Rock-’n’-Roll-Lebensphilosophie verfallen zu sein. Christians Zorn ist bald verflogen, denn er hat die Jukebox in der Ecke entdeckt und durchstöbert die Songliste. Sebi, der ein Auslandsjahr in Spanien gemacht hat, freut sich über das ­Tapas-Angebot an der Bar, und Bäscht hat sogleich mit einer stark torkelnden Dame das Gespräch eröffnet. «Phantastisch, sie haben einen Schaffhauser Bock als Zapfhahn», freut sich Sebi. Doch der Barkeeper schaut uns nur grimmig an. «Das ist ein Widder, ihr verdammten Touristen», scheint sein Blick zu signalisieren. Die Dame hat Bäscht soeben erzählt, dass sie zu Hause LSD genommen hat. Vor dem Widder auf dem Fenstersims sind drei Gäste am Kiffen. Unsere Bewertung zum Punkt Gästezusammensetzung fällt dementsprechend aus: «Sie sind bestimmt keine Kinder von Traurigkeit», stellt Sophie fest und setzt ein breites Grinsen auf. Lange Ledermäntel, Piercings und Tattoos. Einer hat sich sogar das ­Gesicht weiss geschminkt und sieht aus wie der Joker aus «Batman». Trotz der spärlichen Dekoration fühlt man sich optisch im «Widder» nicht gelangweilt. Alles scheint zu passen, auch die ohren­betäubende Musik ist irgendwie stimmig. «Ein Feinschmecker würde vielleicht nicht begeistert sein, dass sie den Wein aus einem 10-Liter-Kanister ausschenken …», sagt Christian. «… aber dafür hat das Bier eine schöne Blume», entgegnet Sebi und genehmigt sich einen Schluck seines schaumgekrönten Bieres. Die Bewertung ist nicht einfach. Alles passt zusammen, für Punkfans müsste man sicherlich eine Sechs geben. Aber Linda ist dennoch unzufrieden und froh, als wir wieder draussen sind: «Hier geht kein normaler Mensch hin, ich bin für eine Eins.»

El Caribe
Wir treffen auf dem grossen Platz vor dem Kiwi-Kino ein. Die Gruppe hat sich ein wenig ausein­andergezogen. Unter anderem ist Bäscht noch nicht vor Ort, weil er die quasselnde LSD-Dame aus dem «Widder» loswerden muss. Christian geht schnurstracks in eine Bar mit Palmendeko­ration. Sein Gärtnerherz schlägt mindestens fünfmal so schnell wie sonst.

Der Ausflug in die südamerikanische Bar zahlt sich aus. Nicht nur Christian, sondern auch Sophie ist begeistert: «Der Latinosound und die tropische Dekoration passen», sagt sie, und wir bestellen ­karibische Cocktails. Der Barkeeper ist schnell, freundlich und macht auch nicht gleich Stress mit dem Einkassieren. Die Gästezusammensetzung ist angenehm durchmischt. Sympathisch ist auch, dass keine Chicos mit offenem Hemd, Brusthaar und Goldkettchen umherspazieren, wie es sonst manchmal in Latinobars üblich ist. «Irgend etwas fehlt mir», meint Sebi und spricht damit nicht die Goldkettchen an. «In einer Latinobar sollte eine Tanzfläche sein, doch der Winterthurer Shakevirus scheint im ‹El Caribe› nicht eingeschlagen zu haben.» Das Lokal hat sehr viel Flair. Aber den steppenden Bären sucht man im «El Caribe» vergeblich.

Coyote Ugly
Volltreffer. Endlich eine Ramba-Zamba-Bar. Das Lokal zum gleichnamigen Film ist fast schon ein Wahrzeichen von Winterthur. Jeder Schaffhauser, der von seinem Winti-Besuch spricht, erwähnt das Coyote Ugly mit funkelnden Augen. Als wir eintreffen, verwirft Sophie die Hände. Die Männer hingegen strahlen übers ganze Gesicht. Im ­Coyote Ugly tanzen zwei Frauen in Hotpants und engem Top auf der Bar. An der Wand sind Büstenhalter aufgehängt. Laute Partymusik knallt der DJ in die Boxen, und eine grölende Männermeute schaut biertrinkend dem Treiben zu. «So ein Barkonzept können sich nur Männer einfallen lassen», sagt Sophie sarkastisch. Linda hingegen gefällt die Idee. «So was gibt es in Schaffhausen nicht. Ich finde es kreativ.» Wir bestellen erst einmal unsere Getränke. Christian ist nach einer angeregten Diskussion mit der Bardame unzufrieden: «Ich wollte ein Mineralwasser bestellen, und sie weigerte sich, es mir zu geben. Sie sagte, man könne doch nicht ernsthaft im ‹Coyote Ugly› ein Wasser bestellen.» Bäscht und Sebi hingegen gefällt’s. «Man wird unterhalten, und ein solches Spektakel sieht man nicht alle Tage», meint Bäscht. Sebi urteilt hart über die Gäste und den DJ: «Hier hat es nur ­Prolos, und der DJ ist ein Skischuh. Er mischt Techno mit Schwiizerörgeli-Hip-Hop. Wo bleibt hier bitte das Niveau?» Wir sind uns bei der Beurteilung des «Coyote Ugly» nicht einig. Ist es nur eine Bar für Typen, die keine abkriegen, oder einfach ein kreatives Konzept? «Für Männer top, für Frauen flop», bilanziert Sophie, und wir schliessen uns an.

Kafisatz
Wir wollen den Abend im «Kafisatz» ausklingen lassen. Diese Bar ist eher eine Lounge mit Sofas und speziellen Lampen. Allerdings ist das Ganze ein wenig lieblos zusammengestellt. «Hier sieht es aus wie in einem Interio-Vorführraum», giftelt Bäscht. Die Stimmung ist wirklich nicht gerade der Oberhammer. Dezente Soulmusik läuft im Hintergrund. Die Bar ist halbleer, nur eine grölende Meute von Kanadiern sitzt in einer anderen Sofaecke. «Wir sind etwas zu spät, um ein faires Urteil abgeben zu können», meint Christian. Wir versuchen es trotzdem. Wie bereits erwähnt, die Dekoration ist mässig. Ikea- und Interiokatalog lassen grüssen. Die Gästezusammensetzung fällt aus Mangel an Gästen weg. Personal? Der Barkeeper ist freundlich, elegant gekleidet und bedient uns ruck, zuck. Die Getränke sind lecker, aber eher ein wenig teuer. Nachdem wir in den anderen Bars angeregt diskutiert haben, bleibt uns im «Kafisatz» irgendwie der Gesprächsstoff weg. «Es ist gemütlich, aber langweilig», bringt es Linda schliesslich auf den Punkt. Wir disku­tieren über die Note, welche wir dem Lokal geben wollen. Mehr als eine Vier liegt unserer Meinung nach nicht drin. Unsere Bartour endet, und wir sind ein wenig enttäuscht. Viel mehr als Schaffhausen hat das Barleben in Winterthur nicht zu bieten.

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