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Das Ausgeh- und Freizeitmagazin der «Schaffhauser Nachrichten» 07.09.2010

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Hole-in-one

Golf, Spiele und Gaumenfreuden zwischen Rhein und A4. Ein Besuch auf dem Riethof.


Von Elio Stamm

Es ist nicht gerade bestes Wetter heute. Nieselregen und die dunkle Wolkendecke lassen einen von der Ferne träumen. Um 14 Uhr herrscht Nichtbetrieb auf der Riethof eigenen Driving Range, dem Golfabschlagplatz für jedermann. Nur ein einziger junger Golfer steht schon da und übt in kurzen Freizeithosen Abschläge. Bestimmt 15 Minuten hat er alle der mehr als 20 Abschlagplätze für sich. Dann kriegt er Gesellschaft. David Paglione und Bernhard Eiholzer kreuzen auf. Sie entscheiden sich angesichts des Regens für die leicht abseits gelegenen Abschlagplätze, denen das Scheunenvordach Schutz vor der Witterung bietet. Ein, zwei Aufwärmbewegungen, ein paar Leerschwünge, ein metallenes Geräusch. Schon fliegen die ersten Bälle in weitem Bogen davon. Wieder und wieder, teilweise beinahe synchron, schwingen Paglione und Eiholzer ihre Eisen und Hölzer.

Warum in die Ferne schweifen

Der Riethof liegt im Zürcher Weinland, zwischen Dachsen, Benken und Rheinau. Mittendrin in einem Fluss von Wasser und Blech. Hier bahnt sich der Rhein seinen kurvigen Weg in Richtung Basel. Hier liegt aber auch die A4, Politikum, Dauerbaustelle und schnellste Verbindung zwischen Schaffhausen und Winterthur. An Tagen wie diesem, einem Samstagnachmittag, reiht sich auf beiden Spuren der Schnellstrasse Auto an Auto. Ausflügler sind es, die aus Richtung Zürich die Vorzüge Schaffhausens geniessen. Und Schaffhauser, die dem grossen Freizeitangebot des südlichen Nachbarkantons erlegen sind.

Das, wofür viele an diesem Samstag die A4 unter die Räder nehmen, findet man in konzentrierter Form auch auf dem Riethof. Vor bald 20 Jahren haben Robert und Maya Rubli den Hof übernommen. Es gefiel ihnen nicht, abhängig zu sein von Pachtfläche – nur 9,5 ha sind ihr Eigenland –, also haben sie investiert und ihren Hof nach und nach in einen Eventhof verwandelt. Aus Ställen wurden Stuben, aus Wiesen eine Golf Range, aus Stroh «Schlafen im Stroh».

David Paglione ist bereits zum drittenmal Gast hier. Der Riethof ist die geographisch nächstgelegene Möglichkeit, sein neues Hobby auszuüben, einen Ausgleich zu finden zu seinem Job als Planer und Verkäufer von Klimaanlagen. Und dies erst noch zu günstigen Konditionen. Golfen kostet nicht mehr die Welt: «20 Bälle gibt es bereits für zwei Franken, andernorts bezahlt man dafür schnell mal fünf Franken.» Auch Bernhard Eiholzer lobt die moderaten Preise auf der Golf Range Weinland, wie der Riethof sein Golfterrain nennt. Besonders praktisch findet er aber, dass neben dem Abschlagplatz auch ein Putting Green zum Einlochen, eine Chipping Area samt Sandbunker für Annäherungsschläge sowie eine kleine 6-Loch-Anlage vorhanden sind. «So kann ich alle Schläge trainieren, ohne auf einen ‹richtigen› Golfplatz gehen zu müssen», sagt Eiholzer.

Auf dem von Obstbäumen begrenzten Parkplatz ist die Ruhe nun vorbei. Fahrzeuge tauchen auf, Männer, Frauen und vereinzelt Kinder steigen aus. Sie haben keinen Golfbag voller Schläger dabei und stampfen nicht in Richtung Driving Range. Stattdessen umarmen sie sich. Es sind Gäste einer Geburtstagsparty. Sie sind hier, um in der Stallstube einen schönen Abend zu verbringen. Empfangen und später bewirtet von den Rublis, dem Bauernehepaar. Bevor sie sich aber in der Stallstube den Gaumenfreuden hingeben dürfen, steht die Riethofolympiade auf dem Programm. Acht mehrheitlich landwirtschaftlich geprägte Prüfungen gilt es zu bestehen. Nüsse zu knacken, Stämme zu zersägen, Äpfel zu pressen. Zur Vorbereitung wird erst mal ein Apéro gereicht.

Einzelstunden und Gruppendynamik

Petrus hat ein Einsehen, die Wolken lichten sich. Dem Umsatz des Ballautomaten im kleinen Häuschen tut das gut. Einer fällt besonders auf, hier, auf dem Abschlagplatz, wuselt mit blauer Jacke herum, reisst Sprüche, lacht. Es ist Terry Dean, «PGA Professional», wie er einen in very britischem Akzent und ebensolchem Humor begrüsst. Zwanzig ist er schon lange nicht mehr, aber immer noch voller jugendlicher Energie. Hier auf dem Riethof ist er verantwortlich für das Management des Golfbereichs. Sein Geld verdient er als selbständiger Golflehrer, die Einnahmen aus dem Ballautomaten gehen an die Rublis. Dean ist ein Weltenbürger, weitgereist in jungen Jahren, von Turnier zu Turnier.

Erste Lektion für Dean heute. Robert Nitsch, Deutscher mit Wohnsitz Schweiz, möchte seine Technik verbessern. Nitsch schätzt die lockere Atmosphäre, alle zwei Wochen geht er bei Dean in die Stunde. Gesten- und wortreich begleitet Terry Dean die Abschlagversuche seines Zöglings. «No, no, no, das war gor nix, dos kannst du besser», wenn Nitsch einmal daneben schlägt. Aber auch mit viel Lob, wenn ein Ball der A4 bedrohlich nahe kommt. «Yes, fontostisch, great hit.» So energiegeladen wie seine Kommentare, so energiesparend sind seine Bewegungen. Locker-lässig die Beine gekreuzt und auf seinen Schläger gelehnt, beobachtet Dean die Szenerie. Nur ab und an gibt er seine bequeme Position auf, geht zu Nitsch, nimmt dessen Schläger – und beide vollführen gemeinsam den perfekten Schwung. Anmutig sieht das aus, beinahe wie Ballett auf dem Golfplatz.

Heiterer Postenlauf

Auf dem Hofplatz ist die Riethofolympiade mittlerweile in vollem Gange. Die Geburtstagsgäste, ein generationenübergreifender Mix mit Durchschnittsalter Mitte 50, sind in Fünfer- und Sechsergruppen unterwegs von Posten zu Posten. Auf einem orangen Traktor versucht ein zweifelnd dreinblickender junger Mann die Balance auf einer Wippe zu finden. Sanft tippt er das Gaspedal an, ein kleiner Ruck, aber der Traktor ist immer noch zu weit hinten. Noch ein Druck, und tatsächlich, das tonnenschwere Gefährt befindet sich im Gleichgewicht. Die Mitstreiter klatschen Beifall. Der Erfolgreiche vergisst im Jubelsturm beinahe zu bremsen, als er auf der anderen Seite der Wippe wieder runterrollt. Keine 20 Meter weiter fliesst Schweiss. Ein kräftiger Baumstamm muss mit einer altertümlichen Säge um möglichst viele Scheiben verkürzt werden. Jeweils zu zweit machen sie sich ans Werk. Zum Glück müssen sie nicht die ganzen fünf Minuten durchhalten. Ist die Batterie leer, übergeben sie an den nächsten. Es sieht anstrengend aus, aber die Gesichter strahlen. Auch dasjenige von Hans-Ullrich Landolt. «Es ist mal was anderes, was wir hier gemeinsam machen dürfen. Man lernt sich hier schnell kennen», meint der alt Gemeinderat aus Andelfingen. Dies kann Maya Rubli, Gastgeberin, nur bestätigen. Viele Firmen nutzen die Olympiade auf dem Riethof für Teambildungsanlässe. «Ein gemeinsames Erlebnis in lockerer Atmosphäre bringt offenbar mehr als stundenlange Vorträge», so Rubli.

Terry Dean hat zwischen zwei Lektionen kurz Zeit, erzählt von seinem Engagement hier. Vor einem Jahr ist er nach Dachsen gekommen, hat vorher zehn Jahre auf einem anderen Golfplatz gewirkt. Seither ist viel gegangen, viel investiert worden. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Modernisierte Abschlagplätze, ein nur wenige Millimeter hohes, dicht bewachsenes Putting Green. Dazu atmosphärisch wirksame Gestaltungselemente wie die Golferfigur aus Heckenpflanzen. Was den Golflehrer aber besonders freut, sind die vielen jungen Leute hier. Sie tragen die Faszination des Golfs in die Welt hinaus. Während seine Frau Maya die Stallstube für den Abend auf Vordermann bringt und dazwischen immer mal wieder nach den Gästen schaut, kriegt Robert Rubli vom Treiben auf dem Riethof nur wenig mit. Er steht etwas abseits, im Eingangsbereich zum Hofplatz, und wacht über seinen mächtigen Oklahoma-Grill, auf dem ein gutes Dutzend saftiger Fleischstücke langsam vor sich hingart. Die Rublis sind ein eingespieltes Team, ein Familienbetrieb. Nicht nur die Eheleute helfen mit, für die Riethofolympiade sind weitere Familienmitglieder und Freunde im Einsatz. Für jeden der acht Posten jemand. Robert Rubli berichtet davon, so, wie er ist, auf ruhige Art und Weise. Erzählen ist gut, feines Fleisch ist wichtiger.

Terry Deans letzte Lektion für heute ist vorbei, auf der Driving Range ist Ruhe eingekehrt. Im Angesicht der sich verabschiedenden Sonne kehren die letzten Golfverrückten heim, über die A4, in den Fluss nach Schaffhausen, Winterthur oder Zürich. Für die Gäste der Geburtstagsparty aber steht der Höhepunkt erst bevor: Das Festmahl in der Stallstube wartet.

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