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Blütezeit
Ein Rundgang in Schaffhausen mit dem Stadtgärtner Felix Guhl.
Der Sommer ruft. Die Schaffhauser und Schaffhauserinnen flanieren durch blumengeschmückte Altstadtgassen, spielen Fussball auf saftig frischen Rasen oder ruhen auf einer schattigen Bank am Rhein. – Um all diese Vergnügen, die an den längsten Tagen des Jahres besonders ausgekostet werden wollen, sind die Stadtgärtnerei und Stadtgärtner Felix Guhl besorgt. Es werden Wiesen gemäht und Beete gepflegt, es wird Unkraut gejätet und Wasser gesprengt. Aber nicht nur das.
Zwischen Gartenbeet und Bürostuhl
Die Entstehung der Stadtgärtnerei geht auf die Eröffnung des Waldfriedhofes im Jahre 1914 zurück. Damals wurde vonseiten der Bevölkerung das Bedürfnis geäussert, in unmittelbarer Nähe zum Friedhof Pflanzen für die Gräber einkaufen zu können. Daher wurde eine kleine Gärtnerei errichtet. Drei Jahre später wurde dann die Stelle des Stadtgärtners geschaffen. Heute hat Felix Guhl dieses Amt inne. «Sie wollen jetzt bestimmt wissen, ob ich die Schaufel auch selber in die Hand nehme?», lacht dieser. «Aber nein. Ich habe einen klassischen Managerjob.» Die Stadtgärtnerei mit der dazugehörigen Friedhofsverwaltung ist ein eigenständiger Bereich der Stadt. Sie ist für den Unterhalt und die Pflege von Friedhöfen, Grün- und Sportanlagen zuständig und betreibt eine eigene Gärtnerei mit Blumenladen, eine Schreinerei und eine Mechanikerwerkstatt. Die Stadtgärtnerei ist aber auch planerisch tätig. So kümmert sie sich zum Beispiel um die Gestaltung von städtischen Grünflächen, berät bei Baueingaben oder bemüht sich um eine stete ökologische Aufwertung der Stadt. Felix Guhl hat als Stadtgärtner die Oberaufsicht über die Administration, die Leitung der Betriebe und das Planungsbüro. Seine beruflichen Wurzeln stecken dennoch tief in Gartenerde. Nach der Lehre zum Landschaftsgärtner studierte er Landschaftsarchitektur und arbeitete lange als Selbständigerwerbender in Zürich. Seit zehn Jahren ist er nun Stadtgärtner in Schaffhausen. «Für mich ist es wichtig, den gärtnerischen Hintergrund zu kennen», sagt der schlaksige 50-Jährige. «So bringe ich das nötige Verständnis für die Belange der Natur und der Mitarbeiter auf.»
Ist der Stadtgärtner trotzdem noch ab und zu draussen unterwegs? «Leider viel zu wenig», bedauert Guhl. Für die Schreiberin verlässt er an diesem sonnigen Morgen aber gerne seinen Schreibtisch und lädt zu einem kleinen Rundgang durch das städtische Grün ein.
Blumen blühen
Wir treten aus dem Verwaltungsgebäude heraus und gehen auf das Gärtnereigebäude zu. Auf dem Dach des niedrigen Häuschens reihen sich Blumenkisten aneinander, aus denen weisse, rosa und violette Blütenköpfe in den Himmel schauen. Vor dem Eingang stehen Blumentöpfe, gefüllt mit Begonien, Fuchsien, Hortensien. In den langen Beeten zur Strasse hin wachsen Basilikum, Thymian und Oregano. In einem Gewächshaus treffen wir auf Doris Keller. Schnell wischt sie die mit Erde bedeckten Hände an der grünen Schürze ab. «Jetzt sind wir vor allem mit der Pflege der Pflanzen beschäftigt», sagt die Leiterin des Blumenladens. «Wegen der hohen Temperaturen muss viel gegossen werden. Und auch das Jäten steht an, denn das haben wir in letzter Zeit etwas vernachlässigen müssen.» Denn neben der Zeit um Allerheiligen ist für die Gärtnerei von Ostern bis Mitte Juni Hauptsaison. Dann steht die Anpflanzung im Mittelpunkt, und der Blumenschmuck für die Stadt muss hergerichtet werden. Ausserdem würden die Leute beim ersten schönen Wetter ihren grünen Daumen entdecken, meint Guhl lächelnd. Deshalb hätten sie in dieser Zeit viel Kundschaft zu betreuen. Wir verabschieden uns und fahren mit dem Auto Richtung Herblingen.
Generationeninteressen
Dreispitz. Der Unterhalt dieses Geländes liegt im Aufgabenbereich der Stadtgärtnerei und beginnt schon mit der Pflege des Strassengrüns rund um den Parkplatz. Ins Herz der Anlage führt ein kleiner Kiesweg, der seitlich von einem Holzzaun begleitet wird. Dieser verhindert, dass die Leute ins hohe Gras steigen und nistende Vögel stören.
Wir kommen zu einem Hartplatz, der zum Ballspielen oder Skaten einlädt. Nebenan ein Fussballfeld. Dieses muss im Moment intensiv bewässert werden. «Im Sommer spannen uns die Rasenflächen stark ein. Immer wieder müssen auch Grasziegel ausgetauscht werden», erklärt Guhl. Während der vergangenen Europameisterschaft konnten sich die Fussballfelder der Stadt allerdings ein wenig erholen, da sich die Sportler aufs Passivspielen konzentriert haben. «Aber wir haben ja Freude daran, wenn unsere Grünanlagen genutzt werden.» Hinter den Umzugskabinen befinden sich die Freizeitwerkstätte Dreispitz und einige Vereinshäuser, die sich reger Nutzung erfreuen. Knackpunkt sei im Moment das Beleuchtungskonzept, sagt Guhl, das Mensch und Natur gleichermassen gerecht werden soll. Dann steigen wir in die grüne Oase hinab, die früher eine Kiesgrube war und rundherum von Bäumen geschützt wird. Ein Grillplätzchen, ein Brunnen, Natursteine, ein Teich, eine Rutschbahn. «Erlebnispädagogen erzählen immer», ereifert sich Guhl, «dass Sand, Stein, Holz und Wasser für ein kreatives Spiel gebraucht werden. Dieser Ort bietet das alles, aber es scheint, als wüssten die Kinder nicht, was sie damit anfangen sollten. Ich habe auf jeden Fall noch nie eine Baumhütte oder etwas ähnliches gesehen.»
Dafür freut es ihn umso mehr, dass sich aus Nutzerkreisen eine Spielplatzkommission gebildet hat, die mit der Stadtgärtnerei in Kontakt steht. «So kennen wir die Bedürfnisse und Probleme der Nutzer und können auf diese eingehen. Gleichzeitig tragen sie die Verantwortung für den Ort mit.» In Bezug auf öffentliche Anlagen gelte es insbesondere, so Guhl, die Interessen der verschiedenen Generationen zu wahren. Im Dreispitz hat man daher oberhalb der Kiesgrube einen Sitzplatz eingerichtet, der Erwachsenen einen ruhigen Ort des Zusammentreffens bietet. Wir kehren zum Auto zurück und fahren weiter.
Barock und Moderne Fäsenstaubpromenade. Der Park wurde 1803 von der Gesellschaft der Freunde angelegt. Es handelte sich dabei um eine Lesegemeinschaft, die sich dem philosophischen Diskurs hingab und eine Bibliothek unterhielt. Sie hat die Anlage später an die Stadt verkauft, mit der Auflage, sie müsse für immer und ewig der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen. Heute bemühe man sich darum, erklärt Guhl den Park durchschreitend, moderne Elemente wie den Spielplatz so in die Anlage einzubetten, dass das Gesamtkonzept und das barocke Flair erhalten bleiben. Wir gelangen zur Aussichtsterrasse, die den Blick auf Flurlingen und Neuhausen, den Rhein und – leider auch – auf die Autostrasse freigibt. Auch die Landschaft solle in die Anlage miteinbezogen werden, meint Guhl mit Blick auf den steil abfallenden Hang. «Hier war einst ein Kalksteinbruch», erklärt er. Heute ist das Gelände grün bewachsen, und ein Spazierweg führt den Hang hinauf in den Park. Kürzlich mussten einige Linden der prachtvollen Allee entfernt werden, da ihre Kronen in einem schlechten Zustand waren. Um ideale Wachstumsbedingungen und ein einheitliches Bild zu schaffen, wurde gleich ein ganzes Stück der Allee mit jungen Bäumchen bepflanzt. «Wir planen auch für die nächste Generation», sagt Guhl. «Schliesslich können wir ja auch von den vorhergehenden profitieren.» Trotz aller Idylle ist für die Stadtgärtnerei auch der Vandalismus ein Thema, wenn Bäume geknickt und ausgerissen, Spielgeräte beschmiert oder abgefackelt werden. Der Stadtgärtner weist mit der Hand auf den Brunnen am Rande des Parks, der einst mutwillig zerstört wurde. Für dumme Bubenstreiche könne er ein gewisses Verständnis aufbringen, meint Felix Guhl. Aber wenn viel Energie, Kraft und Zeit in die Zerstörung investiert werde, dann sei das schon ärgerlich und belastend. «Schliesslich steckt die Arbeit unserer Mitarbeiter dahinter.»
Am unteren Ende des Parks, gegen die Altstadt hin, treffen wir auf drei Mitarbeiter eines Grünanlagenteams. Weil die Stadtgärtnerei ihre Arbeitszeiten dem Tageslicht anpasst, sind sie seit 6.30 Uhr am Werk. Der Stadtgärtner stellt der Schreiberin den Baumpfleger Rudolf und den Kräutergartenspezialisten Walter vor, während sich Elio gerade selbst als «Mann für alle Fälle» präsentiert. Während Walter im Moment die Staudenrabatten pflegt, lockern die beiden anderen die Erde der Blumenrondelle. Wie geht es mit der Hitze? Der Italiener Elio lüftet seine Mütze und grinst aus braungebranntem Gesicht: «Die einen ertragen es besser …» – «Die anderen schlechter», ergänzt Rudolf mit holländischem Akzent und Schweissperlen im Gesicht. «Aber besser als Ravioli machen», meint Elio versöhnlich. «Wenn es regnet, verklumpt nämlich die Erde.
»Schliesslich fahren wir nach einem kurzen Abstecher in den Rosengarten, der im Moment in voller Blüte steht, zurück in die Stadtgärtnerei. «Es ist die Vielfalt, die mir an meinem Job so gefällt», sagt Felix Guhl. «Und dass wir mit unseren tollen Aussenräumen für eine hohe Lebensqualität in der Stadt sorgen können.» Dann verschwindet der Stadtgärtner wieder im Verwaltungsgebäude.
von Katrin Werner |
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