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Das Ausgeh- und Freizeitmagazin der «Schaffhauser Nachrichten» 16.05.2012

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slowUp als Weckruf zur Bewegung

Als Präsident des Vereins slowUp Schaffhausen-Hegau will Hansjörg Wirz die Menschen motivieren, für die eigene Gesundheit aktiv zu werden.


Die Zahlen reden Klartext. Nicht mehr sind es nur die belächelten Ameri­kaner, welche für körpermassige ­Erscheinungen bekannt sind. Die Welle von Wohlstandskrankheiten schwappt langsam, aber sicher auch in die Schweiz über. Laut dem Bundesamt für Gesundheit ist jeder dritte Schweizer übergewichtig, acht Prozent sind sogar fettleibig. Doch nicht nur die überschüssigen Energievorräte in Form von Speckröllchen bereiten den Gesundheits­spezialisten Sorgen. Die Menschen bewegen sich immer seltener und weniger intensiv. Es wird sogar schon von der Gesellschaftskrankheit Bewegungsarmut gesprochen.
Die guten Vorsätze fürs neue Jahr, sich endlich wieder mehr sportlich zu betätigen, lösen sich meist ­innert Wochenfrist zu reinem Wunschdenken auf. Die persönlichen Auswirkungen von falscher und zu reichhaltiger Ernährung sowie mangelnder Bewegung sind fatal. Nicht nur die Lebensqualität befindet sich in solchen Fällen jeweils im Sturzflug, auch die Gesundheit und im Speziellen das Herz-Kreislauf-System werden malträtiert. 1,4 Millionen Krankheitsfälle und knapp 2000 Todesfälle pro Jahr sind eine direkte Folge von Bewegungsmangel.

Eine eigentliche Erfolgsstory
«Es gibt so viele gute Gründe, sich zu bewegen», sagt jemand, der es wissen muss. Bekannt als Meetingdirektor von Weltklasse Zürich oder für die etwas ältere Generation noch als erfolgreicher Schaffhauser Leichtathlet auf der internationalen Sportbühne spielt Hansjörg Wirz seit acht Jahren auch im Schaffhauser Volkssport eine wichtige Rolle. Auch wenn Wirz ursprünglich im Leistungssport zu Hause war, sieht er sein Engagement für den Breitensport und den Sport der Massen fast schon als eine Berufung. Als Präsident des Vereins slowUp Schaffhausen-Hegau setzt er sich jährlich für die Durchführung dieses illustren Sportanlasses in Schaffhausen und der grenznahen Region ein – eine eigentliche Erfolgsstory. «Wir wollen die Menschen motivieren, sich mehr zu bewegen», erklärt Hansjörg Wirz. Am liebsten hätte der sportverbundene Schaffhauser natürlich, dass der slowUp eine nachhaltige Wirkung hätte, die Leute sich auch unter dem Jahr mehr bewegen würden. «Wir ermöglichen den Leuten, bewegende Erfahrungen in der Natur zu machen und zeigen so verschiedene Möglichkeiten auf, sich zu bewegen», beschreibt er den Grundgedanken des Grossanlasses.

Erlebnisse schaffen
Im Gegensatz zu den sportlichen Wurzeln von Hansjörg Wirz als mehrfacher Schweizer Meister im 400-­
Meter-Hürdenlauf und Olympionike in München hat der slowUp traditionell keinen Wettkampfcharakter. Vielmehr soll das Erlebnis an erster Stelle stehen, man soll mit anderen Leuten in Kontakt kommen. Zusätzlich ist es natürlich einzigartig, während des 38 Kilometer langen Rundkurses auf gesperrten Strassen die idyllische Landschaft so richtig geniessen zu können. «Wir wollen heute in möglichst kurzer Zeit möglichst viel er­leben, der slowUp setzt auch dazu die Rahmenbedingungen», so der amtierende Präsident des Europäischen Leichtathletikverbandes, der damit auch den allgegenwärtigen Sensationsdurst der Menschen nicht vergisst. Erlauben es die Umstände und seine anderen Verpflichtungen, so ist Wirz regelmässig selbst mit dem Velo Teil der slowUp-Bewegung, und er ist überwältigt: «Es ist beeindruckend, eine solche Masse von Menschen bewegen zu können.»

Fairness, Werte und Respekt
Sein Augenmerk legt Wirz aber auch auf unsere Zukunft, die Kinder. «Die körperliche Betätigung der Kinder war früher viel grösser, heute dürfen die Kinder fast nicht mehr ­laufen», macht er auf die zum Teil ­erschreckende Entwicklung der ­mechanisierten Gesellschaft aufmerksam. Dank der für den normalen Verkehr gesperrten Strassen eigne sich der Rundkurs auch für Familien. Nicht zu vergessen ist aber auch das Rahmenprogramm. In vielen Dörfern würden so regelrechte Volksfeste organisiert. Dörflingen lockt mit einem Kinder-Erlebnispark, Traktorfahren für Kinder und sogar mit einer Bar, an der energiespendende Milch ausgeschenkt wird, zum Verweilen. Zwar gibt sich das Organisationskomitee vorsichtig mit seinen Erwartungen und spricht von mehreren Tausend Teilnehmern. Wenn das Wetter am 20.  Mai aber mitspielt, darf gut und gerne mit 25 000 Teilnehmern gerechnet werden. Hansjörg Wirz ist überzeugt, dass auch die Gene­ra­tion 2.0 trotz Social Media wie Facebook und Twitter immer noch auf persönliche Kontakte setzt. «Der normale Mensch ist nicht gerne ­alleine, sondern erlebt gerne etwas mit anderen zusammen», ist Wirz überzeugt. Auch müsse aufgrund der grossen Teilnehmerzahl auf die anderen Velofahrer, Rollerblader oder Trottinettfahrer Rücksicht genommen werden, würde doch vom Kleinkind im Veloanhänger bis zum über 70-jährigen Sportler alles anzutreffen sein.
Grossen Wert legt Hansjörg Wirz auch auf die Möglichkeiten für körperlich handicapierte Sportler. So seien Ladegeräte für E-Bikes wie auch Toiletten für Behinderte vorhanden. Zudem können spezielle Dreiräder mit zwei Plätzen gemietet werden, niemand der mitmachen will, soll aufgrund von äusseren Bedingungen von diesem Grossanlass ausgeschlossen werden. «Es kommen nie so viele Schaffhauser zusammen wie am slowUp, es ist das grösste Zusammentreffen der Bevölkerung unseres Kantons», ist Wirz doch ein wenig stolz. Dementsprechend habe der Sport nebst der Leistung und dem Erlebnis für den engagierten Leichtathleten noch einen weiteren Aspekt. «Der Sport vermittelt Werte, die auch im Leben wichtig sind», so Wirz, der in der sportlichen Betätigung fast schon eine Art Lebensschule sieht. Einer der wichtigsten Punkte dabei sei die Fairness, aber ebenso sei der Respekt vor dem Gegner ein wichtiger Teil. Auch wenn im heutigen Spitzensport zum Teil fleissig mit Doping­mitteln experimentiert wird, den Glauben an den Sport kann Wirz niemand ausreden. «Ich kann nicht sagen, dass der Spitzensport schlecht ist, er ist aber auch nicht immer gut», tönt irgendwie die Hoffnung an den eigentlichen Geist des Sportes hervor. Wem, wenn nicht Hansjörg Wirz muss dieser Glaube abgenommen werden, ist der zuvorkommend gemütlich auftretende Mann doch ein profunder Kenner der weltweiten Sportszene.

Feuer der Begeisterung
Relativ spät hat er mit 16 Jahren mit Leichtathletik angefangen und sein Flair für die Hürden entdeckt. «Da muss man nicht nur rennen, ­sondern noch etwas mehr leisten», schmunzelt Wirz. Als eigentlicher Autodidakt hat er sich anhand von Videoanalysen mehrheitlich selbst trainiert, da schlicht noch keine ­Trainer für die damals neue Disziplin auf dem Schweizer Markt zu finden waren. «Wenn man Leistungssport macht, will man Fähigkeiten ent­wickeln, das hat mich gereizt», blickt er zurück. Trotz den drei Schweizer Meistertiteln und dem vierten Rang an der Europameisterschaft 1969 in Athen sei das eindrücklichste ­Erlebnis in seiner aktiven Zeit die Teilnahme an den Olympischen Spielen 1972 in München gewesen. Als Chef de Mission von Swiss Olympic kehrte Wirz zwischen 1994 und 2000 an die jeweiligen olympischen Stätten zurück, zusammen mit einem Rucksack voller Erfahrungen, und sorgte so für die bestmöglichen Voraussetzungen für die Athleten. Auch wenn er nun im Europäischen und Internationalen Leichtathletikverband als Funktionär tätig ist, das Gespür für die Athleten, das Feuer für den Sport und die Begeisterung wird Hansjörg Wirz wohl niemals verlieren.

slowUp
Sonntag, 20. Mai, 10 bis 17 Uhr, ­Kanton Schaffhausen und Hegau.
  Bild zu slowUp als Weckruf zur Bewegung

Reportage

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